Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer selbständiger Unternehmer ist, sollte beizeiten für die richtige Absicherung sorgen. Neben der Krankenversicherung hat insbesondere die Berufsunfähigkeitsversicherung ultimative Bedeutung. Experten des GründerMagazins geben einen Überblick über die wichtigsten Fakten.

Die Zahlen klingen Besorgnis erregend: Jeder dritte Arbeiter und jeder fünfte Angestellte muss vor Erreichen der Rentenalters gesundheitsbedingt aus dem Beruf ausscheiden. Zu den häufigsten Ursachen zählen entgegen landläufiger Meinung nicht Unfälle. 90 Prozent der Fälle gehen heute auf Erkrankungen wie Rückenbeschwerden, Herz-, Kreislauf-Probleme sowie zunehmend psychische Leiden zurück. Neben der erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung sind insbesondere Selbstständige Opfer des finanziellen Risikos, da sie oft nicht einmal Anspruch auf die gesetzliche Rente haben. Damit der Lebensstandard nicht in Gefahr gerät, empfiehlt es sich, rechtzeitig eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Sie deckt – vereinfacht gesprochen – das Risiko ab, dass der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Vor allem Menschen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, sollten über das Thema nachdenken. Denn mit der Rentenreform des Jahres 2001 gibt es für alle Erwerbstätigen dieser Altersgruppe keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr.

Doch: Was bedeutet Berufsunfähigkeit?

Die deutschen Lebensversicherungsunternehmen verwenden überwiegend folgende Definition: „Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich sechs Monate außer Stande ist, ihren Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung ausgeübt werden kann und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“ Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung, in deren Vertrag die Zahlung einer Rente vereinbart ist, gibt es die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ). Sie kann man zusätzlich zu einer Risikolebensversicherung, einer Kapitallebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung abschließen. Basisleistung der Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ist es, den Versicherten bei Berufsunfähigkeit von der weiteren Zahlung der Beiträge für die Hauptversicherung und die Zusatzversicherung zu befreien. So wird sicher gestellt, dass trotz Berufsunfähigkeit zumindest die Hinterbliebenen- und Altersvorsorge besteht. Darüber hinaus sollte jedoch noch eine Berufsunfähigkeitsrente vereinbart werden

Was Sie wissen müssen

Was sollte man beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten? Generell gilt: Je jünger der Versicherungsnehmer, desto preiswerter gestalten sich die monatlichen Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei Abschluss in höherem Alter ist mit höheren Kosten zu rechnen. Dennoch: Jeder Einzelfall wird genau geprüft, die Einstufung in die passende Risikogruppe geschieht nach mehreren Kriterien. Ausschlaggebend sind beispielsweise auch Geschlecht, gesundheitliche Verfassung und nicht zuletzt der Beruf. Ärzte und Akademiker zahlen verhältnismäßig geringere Beiträge als Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen wie beispielsweise Bauarbeiter. Es empfiehlt sich, mit dem Versicherer genau über die Vertragsinhalte zu sprechen, damit man auch beruflich richtig eingestuft wird. Wer es mit den Angaben im Vertrag nicht genau nimmt, läuft Gefahr, der falschen Berufsgruppe zugerechnet zu werden.

Für Selbstständige und Freiberufler gilt: Gegenüber dem Versicherer müssen sie nachweisen, dass ihre Tätigkeit regelmäßig entsprechende Einnahmen abwirft. Der Nachweis erstreckt sich überwiegend über einen Zeitraum von drei Jahren – rückwirkend. Sinn der Sache: die Ermittlung eines Durchschnittseinkommens. So will man verhindern, dass eine Berufsunfähigkeitsrente versichert wird, die – etwa aufgrund eines besonders guten Geschäftsjahrs – deutlich über diesem Durchschnittseinkommen liegt. Wer sein Unternehmen gerade erst gegründet hat, kann zunächst meist nur eine bestimmte Rentenhöhe versichern. Die Größenordnungen sind von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich, liegen aber überwiegend zwischen 500 und 1.000 Euro. Da in den meisten Fällen mit steigenden Einkommen zu rechnen ist, empfiehlt es sich, eine Dynamisierung zu vereinbaren.

Besondere Kriterien für Selbständige

Auch bei der Berufsunfähigkeitsprüfung gelten für Selbstständige besondere Kriterien. Bei ihnen zählt zum Beruf nicht nur die Tätigkeit, die sie selbst ausüben. Geprüft wird auch, ob der Selbstständige nach einer Krankheit oder einem Unfall bestimmte Aufgaben delegieren kann. Vor Abschluss der Versicherung muss der Antragsteller – ob Freiberufler oder angestellt – viele Fragen zur Gesundheit wahrheitsgemäß beantworten. Weist der Versicherer einem Kunden später nach, dass er gesundheitliche Probleme verschwiegen oder die Fragen nicht vollständig beantwortet hat, kann die Gesellschaft von dem Vertrag zurücktreten. Bei der Wahl der geeigneten Versicherung kommt es in erster Linie auf die Bedingungen an, erst in zweiter Linie sollte der Preis eine Rolle spielen. So sollte die Versicherung sich verändernden Lebensumständen anpassen können. Diese Möglichkeit enthält ein Vertrag mit so genannter „Nachversicherungsgarantie“: Ohne erneute Gesundheitsprüfung lässt sich die Rentensumme aufstocken. Auch die Laufzeit des Vertrages ist von erheblicher Bedeutung. Um eine Versorgungslücke zu vermeiden, ist es wichtig, dass das Berufsunfähigkeitsrisiko bis zum Eintritt des Rentenalters abgesichert ist.

Als Alternative zur klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung gilt die sogenannte Dread-Disease-Versicherung, die in den USA seit vielen Jahren zur privaten Risikovorsorge gehört. Die Versicherung leistet einmalig einen erheblichen Geldbetrag, wenn ein im Leistungskatalog vereinbarter schwerer Krankheitsfall auftritt. Zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Krebserkrankung. Um die Versicherungsleistung zu erhalten, reicht eine ärztliche Bestätigung aus. Wichtig: Die Dread-Disease-Versicherung deckt längst nicht alle Risiken ab, die zu einer Berufsunfähigkeit führen. Nicht versicherbar sind beispielsweise psychische Beeinträchtigungen, die immer häufiger zu einem Ausscheiden aus dem Beruf führen. Deshalb kann die „Schwere-Krankheiten-Versicherung“ eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ersetzen. Sie käme allenfalls als Ergänzung zur Übernahme der Kosten aufwändiger Spezialbehandlungen und baulicher Veränderungen im Wohnumfeld in Folge einer Behinderung in Betracht. Fazit: Über 100 Gesellschaften in Deutschland bieten Versicherungen zur Berufsunfähigkeit an. Vor Abschluss eines Vertrages sollte man sich daher gründlich informieren.

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