Eismann rutscht weiter!

Eismann Franchise

Für EISMANN begann nach dem Weggang von Eismann-Chef Udo Floto eine Achterbahn mit wechselnden Besitzverhältnissen und den auf einen lukrativen Exit erpichten Investoren aus England oder den Niederlanden. Das von Udo Floto (Jahrgang 1939, ehemaliger DFV-Präsident) aufgebaute Franchisesystem war ein „Lieferheld“ weit vor der heutigen Service-Invasion an den Haustüren der Konsumenten. Im Eiltempo entwickelte sich EISMANN zu einem Shootingstar unter den Franchisesystemen im Lande und galt bald als die Nummer eins im Ranking.

Zunächst aber stieg aber 2002 ein Weltunternehmen ein: Nestlé. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern übernahmen die Schöller Holding und damit auch Eismann und das für die Neuen Bundesländer konzipierte Franchise-System Family Frost. 2004, verstieß Nestlé den „Misfit“ unter seinen Marken.

Die Loslösung vom Multiunternehmen Nestlé im Jahr 2004 kostete 100 Millionen Euro. Diese Kaufsumme stemmten der Finanzinvestor ECM, der das Eismann-Management mit 15 Prozent beteiligte. Hernach verschoben sich die Anteile zu Gunsten der vier Topmanager: Frank Hoefer, Lothar Zahn, Cimmaron Athigetschi und Giovanni Paolino. Bei einem Management-Buy-Out drei Jahre später stockte das Quartett 2007 seinen Anteil auf 76,5 Prozent auf. Ein knappes Viertel der Geschäftsanteile hielt die englische Investorengruppe Intermediate Capital Group (ICG). Eismann setzte in dieser Zeit rund 494 Mio. Euro um, davon die Hälfte in Deutschland.

Zum Jahresende 2011 verkaufte Investor ICG seine gesamten Anteile sowie das Management wiederum einen Großteil seiner Anteile nunmehr an den niederländischen Private-Equity-Investor Gilde Buy Out Partners, der dadurch Mehrheitsgesellschafter wurde. Damit war für das Quartett um den Primus inter pares, Dr. Hoefer, einem promovierten Historiker, der zuvor bei Langnese-Iglo und dem Bertelsmann Buchclub in Frankreich sowohl Sortiments- wie Direktvertriebserfahrung gesammelt hatte, das pekuniäre Fernziel erreicht: die finanzielle Unabhängigkeit dank der Millionen des Investors.

„Nach dem ungeschriebenen Gesetz der Finanzkonzerne stünde bei Eismann nach sieben ruhigen Jahren bald die nächste Verkaufsrunde an“. Kaum waren diese Zeilen geschrieben. Meldet Radio Neandertal am 7. Dezember 2018: „Eismann steht zum Verkauf“. Der jüngste Deal sollte bis Mitte 2019 über die Bühne gehen. Daraus wurde mangels Käufer bislang aber nichts. Deshalb riss wohl der Geduldsfaden der Banker bei der hinter dem finanziellen Engagement der Private-Equity-Firma Gilde stehenden Commerzbank. Der Kreditgeber beorderte jüngst einen Treuhänder ins von Dr. Hoefer neu aufgemischte Führungs-Trio mit, der den erhofften nächsten Deal nun möglich rasch deichseln soll.

Das letzte Kapitel des längst verglühten Franchisestars und heutigem Spielball der Finanzhaie ist somit noch lange nicht geschrieben. Fortsetzung folgt. Für Udo Floto, kurz vor seinem 80 zigsten Geburtstag am 24. Dezember 2019, ist dies sicher nur ein schwacher Trost. Der Erfinder von EISMANN hat (fast) alles richtiggemacht und auch die schwersten Krisen letztlich mit Bravour gemeistert. Längst erfreut sich seiner Tage im Herbst bei einem Gläschen Rotwein morgens auf der Terrasse bei 26 Grad im Ferienquartier auf Mallorca. Prosit!

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