Vapiano und kein Ende!

Die angeschlagene Restaurant-Franchise-Kette Vapiano schlingert von einem Desaster ins Nächste: Nach heftigem Kursabsturz um 80 Prozent auf aktuell vier Euro und einem deftigen Minus von über 100 Millionen Euro geht der zuletzt installierte Vorstand Cornelius Everke nach “acht” Monaten wieder von Bord. Pünktlich zum Termin der Hauptversammlung heute in Köln präsentiert sich das einstige Vorzeige Franchise-System im freien Fall.

Wie übereinstimmend verschiedene Medien wie Handelsblatt, Manager-Magazin und Spiegel berichten herrscht Untergangsstimmung bei Investoren und Anlegern. Der Spiegel titelt “Pizza, Pech und Pannen”, wobei man meinen möchte, dass das nicht vollumfänglich beschreibt, wie dilettantisch das Gastro-System mit unkontrollierter Expansion ins Unglück gesteuert wird. Insbesondere der Image-Schaden der Pizza-Pasta-Kette mit Interieur von Star-Designer Mattheo Thun wird zukünftig kaum wieder die Klientel in Scharen anlocken. Sechs Restaurants mussten erst kürzlich den Laden wieder dicht machen.

Wie konnte das geschehen? Verwöhnt vom Standard anderer System-Gastronomen wie McDonald’s oder Domino’s hierzulande greift das Konzept zunehmend ins Leere. Zu langsam der Service, zu groß die Speisekarte und zusätzlich noch Beschwerden über mangelnde Hygiene in manchen Restaurants.

Aber der Reihe nach: Vapiano wurde 2002 von Mark Korzilius, Kent Hahne, Gregor Gerlach, Friedemann Findeis und Klaus Rader, heute l’Osteria, gegründet. Die Kette wurde schnell bekannt und expandierte weltweit. 2017 ging die Kette an die Börse und trieb mit dem Geld der neuen Anteilseigner ihre Expansion voran. Ende 2018 hatte der Konzern 231 Restaurants in 33 Ländern und Ende des Jahres musste der damalige Vorstandschef Jochen Halfman seinen Posten räumen, wir berichten. Indes: Im Ringen um dringend benötigtes Geld hat die Restaurantkette Vapiano erneut einen Rückschlag erlitten: Die Verhandlungen über eine 30 Millionen Euro schwere Refinanzierung mit Banken und unter Beteiligung und der Deal mit dem Verkauf der amerikanischen Restaurants für 20 Millionen scheiterten bislang. Die Beteiligten: Der Fonds Mayfair (47,4 %) ist die Vermögensverwaltung der Tchibo-Erben Günter Herz und seiner Schwester Daniela. Die Wella-Erbin Gisa Sander ist mit ihrem Mann Hans-Joachim Sander durch Exchange Bio (15,5 %) vertreten. Einer der Vapiano-Mitgründer, Gregor Gerlach, hält mit seiner Firma Vap Leipzig noch knapp 19 Prozent der Anteile, der Rest ist Streubesitz.

Rettung verspricht jetzt, zukünftig “nur” noch in Franchising und Franchise-Partner zu investieren. “Um wieder sicher wachsen zu können, würde ich voll auf die Karte Franchise setzen”, so Günter Sander.

Während dessen erfreuen sich die Ex-Vapiano-Gründer Friedemann Findeis und Klaus Rader daran, ihr alternatives Franchise-Konzept “L’Osteria” weiterzuverbreiten. Inzwischen gibt es L’Osteria an 106 Standorten verteilt auf Deutschland, Österreich, die Schweiz, England, Tschechien, die Niederlande und Frankreich. Bis 2021 sollen es über 200 Restaurants werden. Der Umsatz betrug 2018 insgesamt 213,4 Mio. Euro (Deutschland: 173,2 Mio. Euro), also, geht doch!

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