„Stühle auf den Marktplatz stellen, reicht nicht!“

Town & Country-Gründer Jürgen Dawo

Jürgen Dawo zur Corona-Krise – eine Zwischenbilanz

Vollblutunternehmer wie Jürgen Dawo erkennen Krisen als Chance – was hat der Kampf gegen das Virus bei Town & Country Haus verändert und was bewirkt? Dazu Fragen an den Gründer des erfolgreichsten Franchisesystems in der Baubranche.

Fm: Worin unterscheidet sich die Corona-Krise von der Finanzkrise, die durch eine geplatzte Immobilien-Blase in den USA ausgelöst wurde?

J.D.: Der plötzliche Lockdown war fast weltweit, mit Problemen im medizinischen und Betreuungsbereich der Kinder, sowie Schließung in vielen Branchen schürte erheblich mehr Ängste als 2008.

Fm: Hat der Immobilienmarkt in und nach der Corona-Krise noch Wachstumsreserven oder schrumpft der Markt?

J.D.: Bis heute gab es keine Einbrüche weder beim Mieten noch beim Kauf einer Immobilie. Die Baustellen liefen so wie immer. Nachfragen Einfamilienhäusern über doppelt so hoch wie in den Monaten des Vorjahres.

Fm: Ist der Glaube an das „Betongold“ also unerschütterlich?

J.D.: Das wird sich erst zeigen, wenn die Arbeitslosenquote dann so ist, wie sie wird.

Fm: Was waren die ersten Maßnahmen bei Town & Country zu Krisenbeginn am 18. März 2020?

J.D.: Kosten runter – 1 Million Euro haben wir im Budget gestrichen.

Fm: Welche Projekte fielen dem Sparkurs konkret zum Opfer?

J.D.: Es wurden aktuell keine neuen Aufträge im EDV Bereich vergeben und der Ankauf von zu erschließenden Flächen wurde verschoben.

Fm: Gab es auch personelle Veränderungen?

J.D.: Nein, nur Neueinstellungen wurden verschoben.

Fm: Ist Home-Office eine Dauerlösung?

J.D.: Wir werden uns den neuen Gegebenheiten nicht verschließen und insbesondere in Kombination mit Videokonferenzen und Online-Workshops die Arbeitsplätze flexibler gestalten.

Fm: Die Corona-Krise leistet der Digitalisierung Vorschub, was geschah in der Town & Country-Zentrale in Behringen und im Erfurter Büro?

J.D.: Sämtliche Geschäftsleitungsbesprechungen wurden online durchgeführt und das wird zum Großteil so bleiben. Tägliche Webinare seit dem 17. März dieses Jahres. Auch dieses Instrument werden wir weiterhin 2-mal die Woche nutzen, um Neuerungen und auch Vertiefung von Wissen zu gewährleisten. Teambesprechungen der einzelnen Fachabteilungen finden ebenfalls vorwiegend online statt und bringen enormen Performancegewinn.

Fm: Town & Country Haus zählte bei der Nutzung technischer Möglichkeiten immer schon zur Avantgarde. Was waren die wichtigsten Innovationen?

J.D.: Zum Beispiel unser Bemusterungsportal. Es gibt den interessierten Bauherren die Möglichkeit, daheim auf dem Sofa in aller Ruhe auszusuchen und entscheiden, wie ihr Traum von einem eigenen Dach über dem Kopf aussehen soll. Damit nehmen wir den Druck heraus, im Büro bei uns gleich alles entscheiden zu müssen. Das Bauherrenportal ist gespickt mit vielen Infos – etwa sich wo die Baustelle befindet, was im Projektverlauf als nächstes kommt und welche Infos benötigt werden, um zügig weitermachen zu können.

FM: Der Wunsch nach einem eigenen Dach über den Kopf reift oft über Jahre und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei einer drohenden Arbeitslosigkeit schüren Ängste vor dem finanziellen Kraftakt – schafft auch in solch heiklen Situationen der Einsatz der digitalen Kommunikation das notwendige Vertrauen?

J.D.: Die Webkonferenz ersetzt nicht das persönliche Gespräch Auge in Auge, gerade bei Kunden die jetzt Angst vor der Zukunft haben.

Fm: Wie läuft der webbasierte Hausverkauf konkret ab?

J.D.: In unserem Qualifizierungstelefonat klären wir zuerst, ob wir überhaupt zu den Wünschen und Bedürfnissen der Bauherrenfamilie passen. Danach findet der erste Arbeitstermin statt, nach welchem das Angebot mit Finanzierung zugesandt wird. Im zweiten Arbeitstermin besprechen wir dann die Änderungswünsche und danach wird der Vertrag zugestellt. Widerrufsrechte 14 Tage inclusive. Per Post geht der Bauvertrag schließlich wieder bei uns ein, und wird vom bauenden Franchise-Partner bestätigt.

Fm: Wie lassen sich Emotionen in einem Online-Vertrieb abbilden?

J.D.: Genauso wie im Prospekt mit bunten Visualisierungen. Überraschender Weise verlieren alle Beteiligte vor dem Bildschirm die Scheu und reden sowie am Tisch. Das war eine neue Erfahrung.

Fm: Hausverkauf per Web – Mercedes und Co denken noch über den Online-Vertrieb von Autos nach. Town & Country verkauft bereits Häuser?

J.D.: In der Tat haben wir seit Beginn der Corona-Krise im März bereits 150 Häuser online verkauft. Doch der Verkäufer bleibt ein wichtiger Bestandteil im Vertrieb, denn Hauskauf mit Anpassung auf die Grundstücke bleibt individuell.

Fm: Welche wirtschaftliche Bilanz wird Town & Country Haus zum Jahresende ziehen?

J.D.: 3.200 gebaute Häuser, so wie es aussieht ein weiteres erfolgreiches Jahr.

Interview mit Jürgen Dawo Teil II

Gemeinsam gestärkt durch die Corona-Krise

Das Virus stellt alle Unternehmen vor eine besondere Herausforderung. Franchise-Systeme haben jedoch den Vorteil, dass bei ihnen das Miteinander nicht erst geübt werden muss, sondern frische Impulse freisetzt und die Kommunikation zwischen Zentrale und den Partnern intensiviert

Fm: Derzeit arbeiten 220 verkaufende und 135 bauende Franchise-Partner unter dem Markendach von Town & Country – wie viele stehen wegen der Corona-Krise nun auf wackeligen Füßen?

J.D.: Zwei.

Fm: Die Gewinnung neuer Partner hängt stark von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ab. Die sich jetzt abzeichnende Rezession beflügelt die Suche nach geeigneten Kandidaten?

J.D.: Notgründungen sind nicht unsere bevorzugten Partnerschaften denn der feste Wille zur Selbständigkeit muss da sein, um auch Krisen gut überstehen zu können.

Fm: Es gibt noch einige weiße Flecken auf der Vertriebs-Landkarte von Town & Country, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Expansion?

J.D.: Genau das geschieht gerade in den Regionen mit weißen Flächen.

Fm: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Partnersuche und welche in der -betreuung?

J.D. Gerade in der Partnerbetreuung wurden alle Betreuer zu Online Coaches ausgebildet, um häufigeren Kontakt ohne Fahrtzeit zu ermöglichen. Onlinemeetings sind ein probates Medium, um schnell Fragen zu klären, gemeinsam Maßnahmen festzulegen und die regionale Zusammenarbeit zu stärken.

Fm: Worauf müssen die Franchisemanager in ihrer Online-Kommunikation anders machen als beim offline-Kontakt?

J.D.: Die Kommunikation ist schwieriger, da man erheblich besser hinhören muss und die Meetings besser und umfangreicher vorbereitet werden müssen. Die Kommunikation per Bild gibt beiden Seiten die Möglichkeit eines offeneren Austausches, da man Mimik und Gestik die Kommunikation ergänzt.

Fm: Wo fand die Ausbildung zum Online-Coach statt?

J.D.: Natürlich online. Es gibt es ein Spezialausbildungsbetrieb in der Schweiz. Die ersten sieben Mitarbeiter haben die Qualifikation erreicht, sieben weitere absolvieren gerade die Zusatzausbildung.

FM: Wie viele werden es am Ende sein?

J.D.: Alle 14 Betreuer.

Fm: Bis zur Corona-Krise trafen sich alle Partner regelmäßig und schauten sich dabei in die Augen – der direkte Kontakt fällt nun weg – geht damit nicht ein Stück Empathie verloren?

J.D. Die Treffen werden mit Abstand aufgenommen, aber nicht jeder Termin muss persönlich sein, sondern kann, wenn man sich kennt auch online stattfinden.

Fm: Wie lange wird die Wirtschaft noch im Krisen-Modus laufen?

J.D.: Bis Ende 2021 schätze ich.

Fm: Welche Erwartungen hegst Du für 2022, dem Jubiläumsjahr von Town & Country, das als Franchise-System dann seinen 25. Geburtstag feiert?

J.D.: Es wird das beste Jahr in der Firmengeschichte.

Fm: Worauf gründetet dein Optimismus?

J.D.: Da in der Corona-Zeit sich die Interessentenzahl nahezu verdoppelt hat jeden Monat, im Vergleich zum Vorjahr.

Interview mit Jürgen Dawo Teil III

Stühle auf den Marktplatz stellen, reicht nicht“

Der Gründer von Town & Country münzt die nach einem überwundenen Burn-Out neu geschöpfte Energie in einem neuen Projekt um. Mit seinem Waldresort Hainich, macht er das Waldbaden aus Japan in Deutschland populär und wehrt sich erfolgreich gegen die Bürokratie in Thüringen.

Fm: Mit deinem Projekt „Waldresort Hainich“ in Weberstedt willst Du das Waldbaden aus Japan in Deutschland populär machen – welche Akzeptanz fand das Resilienz-Konzept bislang?

J.D.: Zeitschriften, MDR und viele Zeitungen kommen und berichten darüber, jetzt gerade wird mit Pro 7 gedreht.

Fm: Was waren die Beweggründe, gegen das Land Thüringen wegen des Lockdowns der Ferienhaus-Anlage in Weberstedt einen Prozess anzustrengen?

J.D.: Es war mir wichtig den Entscheidern in der Bürokratie klarzumachen, dass es ein Unterschied ist ein Ferienhaus kontaktlos an eine Familie zu vermieten und sich selbst versorgen zu lassen und einer Vermietung in einem Hotelgebäude mit Aufzug und gemeinsamen Fluren.

Fm: Welche Auswirkungen hat der Prozess-Gewinn für die Unternehmerschaft landesweit gebracht?

J.D.: Ich denke, dass der Prozess letztlich in meine Richtung ging, zwar ohne Urteil, denn die Landesregierung gab mit Blick auf einen möglichen Prozess die Ferienhäuser 2 Woche früher frei. Das Gericht hat daraufhin gesagt, dass es jetzt keinen Sinn mehr macht ein Urteil zu sprechen.

Fm: Und die Kosten?

J.D. … die wurden dann gegeneinander aufgehoben.

Fm: Und was lehrt dieser Casus?

J.D.: Es reicht eben nicht zum Protest Stühle auf einen Marktplatz zu stellen. Um ein Umdenken oder Nachdenken bei den Entscheidungsträgern zu bewirken, die in Ihrer Welt und oft von einseitigen Lobbyisten umgeben sind, muss man manchmal auch etwas riskieren und klagen.

Fm: Wenn Krisenzeiten echte Unternehmer als Chance nutzen, lohnt es sich gerade jetzt zu expandieren?

J.D.: Das kommt auf die Region und das Gewerbe an. Ich würde das nicht immer bejahen.

Fm: Welchen Ratschlag sollten Unternehmer beherzigen?

J.D.: Echte Engpässe suchen und dort Lösungen die oft sehr naheliegend sind wirklich praktisch umsetzen.

Fm: Vielen Dank für das Gespräch.

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