BoConcept-Partner frustriert

Boconcept Franchisenehmer

Die Standorte Düsseldorf (2), Essen und Köln sind nun weiße Flecken: Die dänische Möbel-Kette BoConcept brachte skandinavisches Design und amerikanisches Franchising zusammen. Seit dem Millennium ist die 1952 gegründete globale Möbel-Kette auch in Deutschland im Franchising unterwegs. Doch Ende März endet nach 26 Jahren die Zusammenarbeit von BoConcept und ihren Düsseldorfer Partnern. Diese halbe Ewigkeit war die Arbo Möbeldesign GmbH Franchisenehmerin der dänischen Möbelmarke. Doch damit ist jetzt Schluss. Arbo-Geschäftsführer Matthias Küpfer sagt, dass man sich nicht mehr auf einen neuen Franchise-Vertrag habe einigen können.

Sein Kompagnon Arne Kristiansen, ebenfalls Geschäftsführer, hatte den ersten BoConcept-Store in Nordrhein-Westfalen in einem Düsseldorfer Hinterhof eröffnet. Die Möbel kamen beim exklusiven Publikum als Geheimtipp glänzend an. Es folgte kurz danach der Umzug in einen Showroom an der Vennhauser Allee in einem Außenbezirk. Schließlich wurde man einer der ersten Mieter im Stilwerk an der Grünstraße, gleich ums Eck zur Flaniermeile „KÖ“ – Königsallee. Weitere BoConcept-Shops eröffneten die Multi-Unit-Partner und Marken-Pioniere in Köln und Essen. Mit vier Top-Standorten bildeten die Franchisenehmer das Herzstück der Expansion in NRW und damit in Deuschland. Nebst ihnen sind weitere 16 Partner mit 31 Shops bundesweit präsent. Weltweit gib es rund 300 Franchise-Shops in 65 Ländern.

Rückschlag in der Expansion

Die Expansion in einem der wichtigsten Absatzmärkte erfährt nunmehr einen herben Rückschlag. Dabei gab offenbar die vor einiger Zeit veränderte Inhaberstruktur den Ausschlag für den Ausstieg der Franchisenehmer. Ein erster Riss in der Partnerschaft entstand im Juni 2016 als die dänische Inhaberfamilie ihr Franchise-Unternehmen an den englischen Private Equity Fonds 3i verkaufte. Das neu installierte Management zog alsbald die Zügel an, um möglichst zügig den Return of Investment zu erwirtschaften. Da an den Franchise-Konditionen bei langfristigen Verträgen nicht mal eben gerüttelt werde konnte, strichen die Sparkommissare offenbar den Leistungskatalog zusammen. Mit einer fatalen Folge: Mittlerweile gebe es keine Grundlage mehr „für unternehmerische Partnerschaft und Fairness. Wenn man als Unternehmer an diesem Punkt ist, muss man Schluss machen“, vermerkt Matthias Küpfer achselzuckend.

In allen vier BoConcept-Geschäften beginnt der Räumungsverkauf. Ende März soll es nach dem Umbau mit einem neuen Konzept für skandinavische Möbelmarken weitergehen. Die 54 Mitarbeiter halten den frustrierten Chefs die Stange und wagen den Neustart, samt Aufbau einer eigenen Struktur mit neuer Webseite und Logistik. „Es ist selbstverständlich, dass es bei uns weiterhin nordisches Design geben wird. Als Dänen kennen wir zahlreiche skandinavische Designmöbelhersteller, die am deutschen Markt noch nicht vertreten sind. Und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben den richtigen Spirit für Formen, Materialien und das Hygge-Flair“, ergänzte Kristiansen im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Offiziell verkündet derweil BoConcept vollmundig: „Die Franchisepartner profitieren von dem hochwertigen Design der Produkte, der außergewöhnlicheren Markenführung, Logistik, Produktion und dem Kundenservice des Geschäftsmodells. Über 25 Jahre Erfahrung im Franchise werden bei BoConcept durch umfangreiche Trainings- und Supportleistungen und einer besonderen Toolbox für die Franchisepartner gelebt.“

Fragen an den DFV

Das Fiasko in Düsseldorf dürfte die Gewinnung neuer Franchisenehmer, die je nach Lage zwischen 350.000 und 600.000 Euro investieren müssen, und möglichst Multi-Unit-Partner sind, kaum beflügeln. Eher stellt sich die Frage für den Deutschen Franchise Verband (DFV), wohin die Reise gehen soll, falls Familienunternehmen wie BoConcept als Franchisegeber immer häufiger von Private Equity Fonds gekapert werden. Der amtierende DFV Präsident Kai Enders vertritt hier eine diplomatische Position: Seiner Erfahrung nach sei „Private Equity weder per se gut oder schlecht“. Kaum verwunderlich. Für rund 400 Millionen Euro erwarb kürzlich Permira, gleichfalls eine britische Private-Equity-Gesellschaft, 60 Prozent der Geschäftsanteile an dem Franchise-Makler Engel & Völkers. Die Eigentümerfamilie Völkers und ein Teil des Führungskreises – darunter DFV-Präsident Kai Enders – (be) halten vorab die restlichen 40 Prozent.

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