Nach der FEX21 ist vor der FEX22

DFV-Chef Torben Leif Brodersen

Nach der Franchisemesse Frankfurt FEX21 ist vor der FEX22 – so einfach ist das aber nicht.

Wir brauchen eine Messe als Präsenzveranstaltung. Die, die branchen- und größenübergreifende Vielfalt der Szene einerseits zum Ausdruck bringt und andererseits die Möglichkeiten eröffnet, im direkten und persönlichen Gespräch Kontakte zu knüpfen und Expansionsmöglichkeiten mit Interessenten anzubahnen. Das kann über einen digitalen Ersatz nicht abgebildet werden, wie die Erfahrung gerade auch des Jahres 2020 zeigt“, verkündet Torben Leif Brodersen fünf Tage nachdem die Halle 9 auf dem Frankfurter Messegelände ihre Pforten geschlossen hatte.

Nach 2018 und 2019 hatte der amerikanischen Veranstalter Comexposium/MFV erneut nach Frankfurt eingeladen. 2020 blieb es bei einer Netz-Präsenz der Pandemie wegen. 2021 sollte die erstmalige Zusammenlegung der Österreichischen Franchise-Messe mit der Franchise Expo Frankfurt Synergien zeitigen. So waren denn auch etliche veritable Franchise-Systeme aus Österreich dabei: Biogena, Phytoniq oder Storebox.

Allerdings vermerkte ANKERBROt, der Branchenprimus unter den Bäckern aus der Alpenrepublik: „Wir sind in Frankfurt nicht dabei, anscheinend gibt es hier ein Missverständnis, wir sind erst wieder in Wien vor Ort“, so Christoph Riedel, Franchise Manager – VALORA mit Ditsch und BackWerk sowie KAMPS kann es nur recht gewesen sein.

Hinzu gesellten sich freilich etliche Top-Marken wie McDonald´s, Leonidas, Bodystreet, Pizza Hut, Nordsee, einsnulleins, Injoy, Mail Boxes Etc., Pirnar, RE/MAX, s´Fachl, Triumph, Waffle Brothers, Valora, Vom Fass. Anderseits glänzten Town & Country oder Neigbourley, deren Manager *innen Sitz und Stimme im DFV-Vorstand haben, mit Abwesenheit. Die Realität bestätigte sie. Die Fakten: Rund 100 Franchisemarken und 1.600 Besucher im Netz und in der Halle gähnende Leere. Zum Vergleich: Bei der Expo 2019 präsentierten sich 150 internationale Marken rund 3.000 Besuchern aus 54 Ländern. Im letzten Jahr folgte eine reine Online-Edition. In diesem Jahr sollte die Hybrid-Edition die Veranstaltungssicherheit sowie verschiedene Teilnahmemöglichkeiten für alle Beteiligten ermöglichen.

FranchiseExpo

2019 war die Welt in Frankfurt noch in Ordnung

Für den DFV-Topmanager Brodersen stellt sich die Frage, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, erst gar nicht. Sein Resümee: „Man sollte sich vor Augen führen, dass sich die FEX als Marke immer noch in der Aufbauphase befindet. Wobei es in der Außendarstellung einen Schub in Bezug auf Reichweite gegeben hat, der natürlich in Bezug auf die Situation der vergangenen eineinhalb Jahre einen Dämpfer erfuhr – sich dennoch aber kontinuierlich weiterentwickelte. Dieser Kurs muss beibehalten und die Schlagzahl in Richtung Präsenz erhöht werden.

Parallel sollte die FEX gerade vor ihrer Auflage im Jahr 2022 in die nächste Entwicklungsstufe eintreten. Organisatorisch und auch aus der Perspektive des Auftrittes her betrachtet.  Die Grundlage hierfür ist gegeben. Es kommt nun auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der Marke an – dazu braucht es kraftvolle Impulse sowie konzertierte und fokussierte Aktivitäten, die die wichtigsten Stakeholder einbezieht. Und dann am Ende ein Mehr an Besucherinnen und Besuchern im nächsten Jahr erzeugt.“ Soweit der Fahrplan zur FEX22.

Ein Blick zurück in der Franchise-Historie mahnt zur Demut und Geduld – denn Nichts ist von Ewigkeit. Die Achterbahnfahrt einer Franchise-Messe in Deutschland bislang zeigt dies.

Am 8. Juni 1990 startet die erste Deutsche Franchisemesse in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden auf 2.600 Quadratmeter Ausstellerfläche. Rund 4.100 Besucher kamen. Bereits zehn Jahre zuvor organisierte der Tübinger Rechtsanwalt Thomas Doeser in München einen Franchisekongress nebst Mini-Messe. Später war es der internationale Messeveranstalter Blenheim Heckmann / Reed Exibitions, der zunächst in Essen und später gleichfalls in Frankfurt alljährlich die Franchise-Messe in Deutschland zelebrierte. Das Messegeschäft lief in den 90zger Jahren recht profitabel bis zum Millennium. Danach ging es bergab. Ab 2003 bis 2018 blieben in Frankfurt die Lichter völlig aus. Das Interesse an einer stationären Veranstaltung ließ stark nach. In Franchisegeber-Kreisen kursierte die einhellige Meinung: Alle Leads gebiert das Netz. Der große Hype um Social-Media begann und bedurfte bei der Partnersuche lange Zeit keine Alternative.

Bei der letzten Franchise-Messe 2002 in Frankfurt als Indikator für die Gründerstimmung kamen nach Beobachtung des Consultant Reinhard Wingral aus Eckernförde „nur noch 2.500 Besucher“. Selbst diese stolze Zahl hält zwar Reinhard Wingral „aus eigenem Erleben vor Ort für stark übertrieben“. Heute wären sicherlich alle Austeller mit solch einem Wert zufrieden.

Dennoch: Selbst in der schwierigen Corona-Zeit war etwa für den Newcomer New York Pizza die Präsenz auf der FEX21 ein Erfolg:“ Fünf neue Partner sind an der Angel“, vermerkt Boss Karsten Freigang. Auch die Zahlen der Franchise-Wirtschaft belegen die Dynamik – aber der Weg zu einer fest etablierten Franchise-Messe ist der zwischen Skylla und Charybdis.

INFO

Die aktuelle Franchisestatistik zeigt auch im Krisenjahr 2020 eine positive Entwicklung der Franchisewirtschaft auf. Demnach haben die bundesweit rund 930 Franchisesysteme im vergangenen Jahr 138.748 Franchisepartner, das sind 4% mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt sind rund 749.198 Mitarbeiter bei den 176.240 (+ 2,6%) Franchisebetrieben beschäftigt, was einer Steigerung von 4,5% entspricht. Zahlen, die selbst im Corona dominierten 2020 auf Wachstum und Weiterentwicklung hinweisen. Verstärkt wird dies durch die Entwicklung des Gesamtumsatzes: Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser um 4,6% auf 135 Milliarden Euro erneut gestiegen.

Quelle: Deutscher Franchise Verband e.V.

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