Eine Kolumne von unserem Chefredakteur Axel Winkelnkemper
Noch vor einem Jahr schien die Rollenverteilung klar. Die Franchise Expo Germany, kurz FEX, fand in Frankfurt statt, der Deutsche Franchiseverband war präsent, nationale und internationale Systeme stellten aus – und Luana und Christian Köttler gehörten zu den prägenden Gesichtern der Veranstaltung. jetzt findet am 06. und 07.11 in Frankfurt die zweite Franchisemesse in Serie statt (Franchise Expo Germany).
Als Verlag haben wir mit unseren Produkten franchising-network.de und Franchising.mag und als handelnde Personen nunmehr seit über 25 Jahren das Messegeschehen begleitet. Vom Veranstalter Blenheim-Heckman, über die Start-Messe bis heute waren wir von einer ehemals fulminanten Show vor etlichen Jahren in Frankfurt samt Casino-Girls mal begeistert bis hin zu tottraurig beim jahrelangem Totalausfall.
Am 6. und 7. November 2026 öffnet die Franchise Expo Germany nun wieder ihre Türen in Frankfurt. Doch wer die Veranstaltung des vergangenen Jahres kennt, trifft diesmal auf eine deutlich veränderte Konstellation. Denn drei Wochen zuvor hat in Köln bereits eine zweite Franchisemesse stattgefunden: die neue Franchise NEXT. Und hinter ihr stehen ausgerechnet Luana und Christian Köttler mit Cox Orange – jenes Team, das 2025 noch die Franchise Expo Germany in Frankfurt organisierte. Auch der Deutsche Franchiseverband hat sich scheinbar neu positioniert. Statt die FEX wie in den Vorjahren zu begleiten, trat er 2026 als Hauptpartner der Franchise NEXT auf.
Was ist in der deutschen Franchisemesse-Landschaft passiert?
Von einer zentralen Messe zu zwei Veranstaltungen
Der Blick zurück zeigt, wie deutlich sich die Situation innerhalb eines Jahres verändert hat. Die Franchise Expo Germany 2025 fand vom 6. bis 8. November in Frankfurt statt. Nach Veranstalterangaben präsentierten 91 Aussteller insgesamt 113 Marken aus 17 Ländern. Rund 2.400 Besucher kamen zur Messe. Auch der Deutsche Franchiseverband zog anschließend ein ausgesprochen positives Fazit. Präsident Hendrik Martschinke eröffnete die Messe gemeinsam mit MFV-Expositions-Präsident Martin Joksimovic. Der Verband war mit eigenem Stand, Netzwerkformaten und Programmpunkten vertreten und bedankte sich nach der Veranstaltung ausdrücklich beim Organisationsteam um Luana und Christian Köttler.
Die beiden Köttlers waren dabei nicht nur für Kommunikation zuständig. In einer offiziellen Presseinformation zur FEX 2025 wurden sie als Organisatoren der Veranstaltung bezeichnet; bereits 2024 traten Christian Köttler als Show Director Operation & Finance und Luana Köttler als Show Director Marketing & PR der Franchise Expo Germany auf.
Nur wenige Monate später änderte sich das Bild grundlegend.
Cox Orange startet mit Franchise NEXT neu
Am 1. April 2026 kündigte der Deutsche Franchiseverband eine neue Messe an: die Franchise NEXT in Köln. Veranstalter ist Cox Orange. Der Deutsche Franchiseverband stieg als Hauptpartner ein. Die Premiere fand am 15. und 16. Oktober 2026 im CONFEX der Koelnmesse statt. Damit wechselten nicht nur wichtige Akteure von Frankfurt nach Köln – ein Teil des bisherigen Messe-Know-hows bekam eine neue Marke und einen neuen Standort.
Cox Orange selbst spricht von einem bewussten Neustart und davon, mit Franchise NEXT erstmals als eigenständiger Messeveranstalter in Deutschland aufzutreten. Die Premiere erreichte nach Angaben des Veranstalters 83 Aussteller mit insgesamt 92 nationalen und internationalen Marken. Rund 800 Besucher kamen nach Köln. Die Besucherzahl blieb damit nach eigener Einschätzung unter den Erwartungen. Gleichzeitig berichtete Cox Orange von qualitativ guten und konkreten Gesprächen an den Ständen. Eine Fortsetzung für 2027 ist bereits geplant. Auch der Deutsche Franchiseverband hält an dem neuen Format fest. Er bezeichnet die Franchise NEXT als Plattform, die gemeinsam weiterentwickelt werden soll.
Und Frankfurt? Keine Medianpartner, keine Kommunikation!
Man hört unsd liest nichts, trotz Mega-Agentur. Die Franchise Expo Germany verschwindet trotz des Neustarts, s.o., nicht. MFV Expositions und Comexposium setzen die Veranstaltung am 6. und 7. November 2026 fort – allerdings in veränderter Form. Statt drei Messetagen sind es zwei. Statt der bisherigen Halle 6.0 findet die Veranstaltung im Forum der Messe Frankfurt statt. Die FEX beschreibt das selbst als neues, kompakteres Format mit stärkerem Fokus auf Effizienz, hochwertige Kontakte und Business-Impact.
Auch die Zielgruppenansprache hat sich verändert. Neben klassischen Franchisenehmern werden stärker Investoren, Multi-Unit-Partner und internationale Marken angesprochen, die den deutschen beziehungsweise den DACH-Markt erschließen möchten. Die Veranstalter betonen entsprechend die internationale Ausrichtung. Gemeinsam mit Promosalons Deutschland soll die internationale Reichweite gestärkt werden; mit vif Solutions wird internationalen Franchiseunternehmen Unterstützung beim Markteintritt in den deutschsprachigen Raum angeboten. Das klingt weniger nach klassischer Publikumsmesse – und stärker nach Business Development.
Auffällig: Die FEX ist 2026 deutlich kleiner
Besonders deutlich wird der Wandel bei den Ausstellerzahlen.Die offizielle Besucherinformation der Franchise Expo Germany spricht aktuell von mehr als 30 erwarteten Ausstellern, zwei Messetagen und mehr als 15 Workshops. Ein externes Messeverzeichnis hatte am 9. Oktober 2026 insgesamt 29 Einträge aus dem damaligen offiziellen Ausstellerverzeichnis erfasst. Das ist ein deutlicher Unterschied zu 2025. Damals standen in Frankfurt 91 Aussteller und 113 Marken.
Die im April veröffentlichte Presseinformation zur FEX 2026 blickte dagegen noch sehr offensiv nach vorne. Darin verwiesen die Veranstalter auf rund 100 Franchise-Marken und 2.350 Besucher im Jahr 2025 und kündigten für 2026 eine weitere internationale Expansion und eine Stärkung der Marktposition an.
Die Realität kurz vor Messebeginn wirkt zurückhaltender. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Veranstaltung schlechter geworden ist. Eine kleinere Fachmesse kann für Teilnehmer sogar wertvoller sein, wenn die Kontakte hochwertiger und konkreter sind. Aber die Größenordnung zeigt: 2026 ist kein gewöhnliches Folgejahr der Franchise Expo Germany: Die deutsche Franchisemesse-Landschaft hat sich neu sortiert.
Wo ist der Deutsche Franchiseverband?
Besonders bemerkenswert ist die Rolle des Deutschen Franchiseverbandes. 2024 bezeichnete der Verband die FEX noch als wichtigsten Branchentreff im deutschsprachigen Raum. 2025 gehörte er erneut zu den zentralen Akteuren der Veranstaltung und berichtete anschließend begeistert über drei Tage in Frankfurt.
2026 dagegen wirbt der Verband prominent für die Franchise NEXT in Köln und bezeichnet sich dort als Hauptpartner. Auch im aktuellen Veranstaltungskalender des Verbandes ist die Franchise NEXT aufgeführt. In der Presseunterlage der diesjährigen Franchise Expo Germany taucht der Deutsche Franchiseverband dagegen nicht als Partner auf. Genannt werden unter anderem MFV Expositions, Comexposium, Promosalons Deutschland und vif Solutions.
Warum sich der Verband für die neue Kölner Plattform entschieden hat, geht aus den öffentlich zugänglichen Informationen nicht eindeutig hervor, das sollte auch so benannt werden. Eine „Spaltung“ oder einen Streit zwischen den Beteiligten zu behaupten, wäre ohne entsprechende Aussagen der Beteiligten spekulativ. Fest steht jedoch: Die Partnerschaften haben sich verändert.
Zwei unterschiedliche Strategien statt zwei identischer Messen?
Interessanterweise beginnen sich inzwischen auch die Profile der beiden Veranstaltungen auseinander zu entwickeln. Franchise NEXT stellt Gemeinschaft, persönliche Begegnungen und die Franchise-Community stark in den Vordergrund. Der Veranstalter spricht von einem Treffpunkt, der über eine klassische Messe hinausgehen soll.
Die Franchise Expo Germany positioniert sich dagegen zunehmend international und investorenorientiert. In der offiziellen Pressemitteilung ist von skalierbaren Geschäftsmodellen, Investitionen, internationalen Marken und Marktzugang die Rede. Das neue Format soll qualifizierte Gründer, Investoren und Franchisegeber zusammenführen.
Das könnte langfristig sogar dazu führen, dass beide Veranstaltungen unterschiedliche Nischen besetzen. Köln könnte stärker zum Treffpunkt der deutschen Franchise-Community und für klassische Gründungsinteressierte werden. Frankfurt könnte sich stärker als internationale B2B-Plattform für Expansion, Master-Franchise, Multi-Unit-Modelle und Investitionen positionieren. Ob diese Differenzierung tatsächlich gelingt, werden jedoch erst die kommenden Ausgaben zeigen.
Für Gründer ist die Entwicklung nicht nur negativ
Aus Sicht eines Gründungsinteressierten klingt die Entstehung zweier konkurrierender Veranstaltungen zunächst unnötig kompliziert:
Welche Messe ist die richtige?
Wo sind die interessanteren Systeme?
Welche Veranstaltung bietet die besseren Kontakte?
Genau diese Fragen werden sich Interessenten künftig stellen müssen. Andererseits ist Konkurrenz nicht grundsätzlich schlecht: Zwei Veranstalter müssen stärker erklären, welchen konkreten Mehrwert sie bieten. Systeme können vergleichen, wo sie die besseren Kandidaten erreichen. Und Besucher können gezielter nach dem Format auswählen, das zu ihren unternehmerischen Zielen passt.
Für Gründer sollte ohnehin nicht die Zahl der Messestände entscheidend sein. Wichtiger ist, wie gut die vertretenen Geschäftsmodelle zum eigenen Kapital, zur gewünschten Region, zur persönlichen Erfahrung und zum eigenen Verständnis von Selbstständigkeit passen.
Wer eine Franchisemesse besucht, sollte deshalb nicht nur fragen: „Wie viel kann ich damit verdienen?“ Mindestens ebenso wichtig sind Fragen nach laufenden Franchisegebühren, Investitionsbedarf, Gebietsschutz, Schulungen, Unterstützungsleistungen, durchschnittlicher Partnerdauer, bestehenden Standorten und den wirtschaftlichen Erwartungen des Franchisegebers.
Eine Messe kann den ersten Kontakt herstellen. Die Entscheidung für ein Franchisesystem muss danach beginnen – nicht dort enden.
2026 könnte zum Wendepunkt für die deutschen Franchisemessen werden
Noch lässt sich nicht sagen, welches der beiden Formate sich langfristig durchsetzen wird. Vielleicht wird Franchise NEXT zum neuen zentralen Community-Treffpunkt. Vielleicht gelingt es der Franchise Expo Germany, sich mit stärkerem internationalem und investorenorientiertem Profil neu zu positionieren. Vielleicht existieren beide dauerhaft nebeneinander. Das wirklich Interessante an 2026 ist deshalb nicht, dass Deutschland plötzlich zwei Franchisemessen besitzt.
Es ist die Frage, wie schnell sich ein über Jahre gewachsenes Branchengefüge verändern kann: Vor zwölf Monaten standen Cox Orange, der Deutsche Franchiseverband, MFV Expositions und die Franchise Expo Germany noch gemeinsam in Frankfurt. Heute stehen zwei Veranstaltungen, zwei Standorte und zwei unterschiedliche Konzepte im Kalender.
Die Franchisebranche spricht gern über skalierbare Geschäftsmodelle, Wettbewerb und die Fähigkeit, sich an veränderte Märkte anzupassen. 2026 muss nun ausgerechnet ihre eigene Messelandschaft zeigen, wie gut sie selbst damit umgehen kann.





