Millionen-Bonus für Benko

Rene Benko

Selfmade-Milliardär René Benko, Herr über die Top-Lagen der Cities, exerziert vor, wie man in Corona-Zeiten Vermögen mehrt und seine Gesellschafter mit einem Millionen-Segen zu Weihnachten bei Laune hält. Dazu zählen die Erben von Niki Lauda, HSV-Investor Klaus-Michael Kühne ebenso wie Torsten Toeller, der Gründer und Franchisegeber von Fressnapf.

Österreichs Immobilien-Milliardär René Benko kündigt eine um ein Drittel höhere Dividende für 2019 an. Ohne größere Teile des Immobilienportfolios zu verkaufen, schüttet Benkos “Signa Prime Selection AG” in Corona-Zeiten 201 Millionen Euro an Dividenden aus. Im Kontrast dazu trotzte Benko’s Signa in der Coronakrise Vermietern, Gläubigern und Mitarbeitern seiner frisch fusionierten Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof finanzielle Abstriche jenseits der Schmerzgrenze ab.

Die Entlastung auf der Kostenseite und die Wertsteigerung, der im eigenen Besitz befindlichen Top-Immobilien wie das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, das Chrysler Building in New York, oder das jüngst dazugekommene Hotel Bauer in Venedig, die erste Adresse am Platz, gleich ums Eck von Harry’s New York Bar auf knapp eine Milliarde Euro, macht den avisierten Geldsegen erst möglich.

201 Millionen auf Benko’s Konto

Von dem ausgerechneten Buchgewinn sollen somit 201 Millionen Euro als Dividende an die Eigentümer fließen. Das ist vor allem Benko mit einem Geschäftsanteil von 54 Prozent selbst. Aber auch eminente Persönlichkeiten aus seinem Netzwerk profitieren. Dazu zählen der Gründer des Baukonzerns STRABAG Hans-Peter Haselsteiner, HSV-Fan Klaus-Michael Kühne , Mehrheitsgesellschafter des internationalen Logistikers Kühne + Nagel der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), die Erben von Formel-1-Legende Niki Lauda, Wüstenrot-Chefin Susanne Riess, Novomatic-Gründer Johann Graf, der Doyen unter den Consultants Roland Berger und der zu Lebzeiten bereits legendäre Fressnapf-Gründer Torsten Toeller, dessen in Luxembourg domizilierende Holding mit rund 5 Prozent an der SIGNA beteiligt ist.

Auch die Gebrüder Peugeot vom gleichnamigen Autokonzern gehören zum illustren Kreis der Financiers. Dazu kamen jüngst die Assekuranz R+V, Madison International Realty die RAG-Stiftung, die eigentlich den Ausstieg aus der Kohle finanzieren soll. Alle vertrauen auf den Spirit von Benko, der aus dem Nichts kam, und ein Näschen für die lukrativsten Immobilien-Deals entwickelte.

Benko’s Vermögen über 15 Milliarden Euro

Benko’s Immobilienvermögen, das unter der “Signa Prime Selection” versammelt ist, stieg seit ihrer Gründung 2010 von 750 Millionen auf über 15 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein Zuwachs von 2.OOO Prozent. Der Wertzuwachs geht mit einer formidablen Hebelwirkung einher. Werden Immobilien höher bewertet, kann dieselbe Immobilie für eine höhere Kreditsumme als Sicherheit dienen.

In der Praxis folgt deshalb auf die Neubewertung einer Immobilie häufig die Aufnahme eines neuen, höheren “Refinanzierungskredits”. „Damit werden alte Kredite zurückgezahlt, Kreditgebühren an Banken bezahlt und der verbleibende Rest kann dann zum Beispiel zur Deckung der “Eigenkapitallücke” bei größtenteils kreditfinanzierten Neuanschaffungen dienen. Diese Praktiken erlauben also den Ausbau eines Immobilienportfolios ohne dafür größere Eigenmittel einsetzen zu müssen. Solche Geschäftspraktiken können Blasendynamiken in Immobilienmärkten befeuern“, räsoniert Professor Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck. Mit Abschluss der Remedur stünde das Benko-Imperium noch breitbeiniger da als zuvor. So das Kalkül.

Vor allzu kritischen Stimmen ob der „Millionenausschüttung dank Neubewertung“ (FAZ)weiß sich Rene Benko gefeit. Denn der Immobilien-Tycoon spielt zumindest in Österreich in einer eigenen Liga – finanziell wie medial. Der 43-jährige Selfmade-Milliardär, den das U.S.-Magazin Forbes mit einem Privatvermögen von 4,9 Milliarden Dollar taxiert hat, arrondierte erst kürzlich sein Firmen-Imperium aus Handelsunternehmen (Galeria Karstadt Kaufhof, Kaufhaus Tyrol) und Möbelketten (Kika/Leiner) mit zwei Medienbeteiligungen: “Kronen Zeitung” und “Kurier”. Benkos Signa Holding kaufte sich bei zwei führenden Boulevard-Blättern über eine 49-prozentige Beteiligung an der WAZ Ausland Holding GmbH, die wiederum zur deutschen Funke-Mediengruppe gehört. Zusammen erreichen beide Blätter täglich über 2,6 Millionen Leser, bei einer Bevölkerung von 8,9 Millionen Einwohner nahezu jeder Dritte.

Dementsprechend kurz ist Benko’s Draht zur Politik. In den Aufsichts-Gremien der Signa sitzen mit Susanne Riess (FPÖ) eine ehemalige Vizekanzlerin und mit Alfred Gusenbauer (SPÖ) ein Ex-Bundeskanzler. Auch der amtierende Kanzler, Sebastian Kurz (ÖVP), ließ schon mal zur Weihnachtszeit ein Bezirksgericht aufsperren, um mit Benko einen Immobilien-Deal zu finalisieren.

Ibiza-Video mit Benko’s Yacht

Im bizarren „Ibiza-Video“ rühmt sich der seinerzeitige Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ), dessen angekündigtes Politik-Comeback aktuell für Schlagzeilen sorgt, seiner engen Kontakte zum Investor, er habe ihn unlängst auf dessen luxuriöser Yacht besucht. Die im Mittelmeer dümpelnde Motoryacht ist Benko’s schwimmendes Refugium und Treffpunkt unter Freunden. Auch Torsten Toeller genoss schon das Vergnügen einer Schiffspartie jenseits vom Corona-Stress. Und jetzt folgt noch die Aussicht auf einen Millionen-Dividenden-Scheck zu Weihnachten – von Finanzkrise ist keine Spur.

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