Apollo-Optik Monopoly

Apollo-Optik Laden

Ray-Ban-Mutter kassiert Kaufofferte für Apollo-Optik: Das vom DFV zum Franchise-Geber des Jahres 2019 gekürte Franchise-System Apollo Optik steht mit seiner Muttergesellschaft GrandVision B.V. zum Verkauf an. Interesse an dem im Besitz der niederländischen Milliardärs Familie van Vorm befindlichen zweitgrößten Brillen-Konzerns Europas signalisierte ein italienischer Milliardär: Leonardo Del Vecchio, dessen RAY BAN Brillen zu den globalen Ikonen zählen. Rund 7,2 Milliarden Euro wollte sich der Brillen-Tycoon die Übernahme des niederländischen Optik-Filialisten kosten lassen, um ihn in mit seinem frisch gezimmerten italienisch-französische Konzern EssilorLuxottica zuvereinen. Doch der Deal platze noch bevor die Korken aus den schon kaltgelegten Schampus-Flaschen knallten.

Apollo-Optik gehört zu einem der weltweit führenden Optik-Konzerne, der GrandVision B.V. mit Geschäften in über 40 Ländern. Der 1972 gegründete Fielmann-Konkurr betreibt in Deutschland über 820 Augenoptik-Fiialen- davon mehr als 240 mit Franchisepartnern. Geschäftsführer des hartnäckigsten Wettbewerbers von Günther Fielmann und seiner gleichnamigen Kette um die Krone des deutschen Brillenkönigs ist seit 2014 Jörg Ehmer.

Seine Zukunft im Konzern gilt als sicher, unsicher jedoch bleibt die Zukunft des Konzerns. Ein Schiedsgericht hat dieser Tage den Verkaufsprozess vorerst gestoppt. Der dem italienischen Milliardär Leonardo Del Vecchio gehörende KonzernEssilorLuxottica hatte Grandvision vorgeworfen, in der Corona-Krise ohne Absprache mit ihm die Zahlungen an Lieferanten und die Betreiber der Filialen gestoppt und Staatshilfe beantragt zu haben. Der verkaufsbereite niederländische Clan konterte prompt und wirft dem Kaufinteressenten vor, er suche nur nach einem billigen Ausweg, sich aus ohne Gesichtsverlust zurückzuziehen. Ob die Milliarden-Transaktion dennoch zustande kommt, steht nunmehr in den Sternen.

Die Kugel rollt

Das Roulett im internationalen Brillenmarkt dreht sich immer schneller. Der Apollo-Kaufinteressent entsprang erst jüngst einer Fusion. Im Oktober 2018 ging der Brillenglas-Produzent Essilor International S.A. aus Frankreich mit dem Brillengestell-Fabrikanten Luxottica S.p.A. aus Italien zusammen. Über Nacht entstand so ein weltweit operierendes augenoptisches Unternehmen mit Hauptsitz in Charenton-le-Pont am Südrand von Paris. Der Umsatz lag Ende 2019 bei über 17 Milliarden Euro. Im nächsten Schritt des Masterplans sollte nun die Übernahme von GrandVision folgen und damit die Position an der Weltspitze in der Branche gefestigt werden. Soweit der Plan, der nun pausiert.

GrandVision betreibt in über 40 Ländern weltweit gut 7.000 Filialen mit 37.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen entstand am 1. Januar 2011 durch die Fusion der Pearle Europe B.V. und GrandVision S.A., und domiziliert am Flughafen Schiphol in Amsterdam. GrandVision wiederum gehört zur Investmentgesellschaft HAL Holding N.V., einer Tochter des börsennotierten HAL Trust, der sich mehrheitlich im Besitz der Familie Van der Vorm befindet. Von der 1961 von dem Augenarzt Stanley Pearle gegründeten Pearle Vision Inc. aus der US-Metropole Savannah erwarb 1996 die HAL Holding N.V. das Europageschäft. Hernach ging die Pearle Europe B.V. auf Einkaufstour. 1997 erfolgte die Übernahme der österreichischen Revue Optik, welche später in Pearle Optik umbenannt wurde. 1998 kam Apollo-Optik in Deutschland dazu. Die Konstellation währte 21 Jahre bis Pearle 2011 in der niederländischen GrandVision aufging.

Kopf an Kopf

Der Griff nach der Marktführerschaft gelang offenbar. Apollo Optik sieht sich heute gemessen an 829 Standorte in Deutschlands als größte Brillen-Kette hierzulande. Zum Vergleich: Die Fielmann AG meldet für das letzte Jahr 870 Niederlassungen, allerdings in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Polen, Luxemburg, den Niederlanden, sowie Slowenien „und weiteren Ländern“ zusammengenommen.

Lange Zeit über stand aber Fielmann und nicht Apollo im Rampenlicht der Medien. 1972 gründete Günther Fielmann in Cuxhaven sein erstes Augenoptik-Fachgeschäft. Der vormalige Manager aus der Optik-Industrie schloss die Marktlücke im Geschäft mit Kassenbrillen, die mangels Auswahl wenig beliebt waren. Es gab damals lediglich sechs Kunststoff-Fassungen für Erwachsene und zwei für Kinder. Fielmann hingegen offerierte 90 Modelle aus Metall und Kunststoff in 640 Varianten. Damit endete die diskriminierende Ära der verpönten Einheitskassenbrille. Publikumswirksam erschien zu vielen Filial-Eröffnungen von Fielmann der damalige Arbeitsminister Herbert Ehrenberg. 1984 startete Fielmann in der TV-Werbung mit einem Spot und Slogan, der Kultstatus gewann: „Mein Papi hat keinen Pfennig dazu bezahlt!“.

Aktuell bestimmt aber nicht Fielmann, sondern Apollo die Schlagzeilen. Der abrupte Stopp des Deals von GrandVision und EssilorLuxottica bremste indessen nicht die Aktivitäten des Ray-Ban-Besitzers. Im Gegenteil. Jetzt will Leonardo Del Vecchio beim Apollo-Optik-Rivalen Mister Spex einsteigen. So das jüngste Ondit.

Griff in die Portokasse

Der Berliner Online-Optiker macht den Platzhirschen Fielmann und Apollo zunehmend mit eigenen Filialen Konkurrenz. Das von Dirk Graber gegründete Unternehmen startete im Jahr 2007 als reiner Online-Brillenhändler. „Wir sind davon überzeugt, dass unser grundlegend digital ausgerichtetes Omnichannel-Modell die Zukunft unserer gesamten Branche darstellt“, verkündete Gründer Grabner beim Start. Die Berliner Kette meldet für 2020 ein Umsatzplus von 18 Prozent auf 164 Millionen Euro. Unter Co-Vorstandschef Mirko Caspar vollzog Mister Spex allerdings bereits ab 2016 einen Schwenk und präferiert seither ein Kombimodell aus Onlineshop und Filialen. Derzeit gibt es 42 Stores – 39 in Deutschland sowie zwei Geschäfte in Stockholm und ein weiteres in Wien.

Den Einstieg bei Mister Spex dürfte Leonardo Del Vecchio notfalls aus der Portkasse begleichen lassen – kleine Münze allemal im Verhältnis zu den aufgerufenen 7,2 Milliarden Euro für die Apollo-Holding GrandVision.

INFO

Apollo´s Firmengeschichte

Der Name Apollo wurde 1969 als Marke der Foto-Quelle eingetragen. 1972 folgte die Gründung von Apollo als eigenes Unternehmen mit Hauptsitz in Schwabach, das zehn Jahre später als Apollo-Augenoptik GmbH firmierte. Ab 1985 heißt das Unternehmen Apollo-Optik. Die Schickedanz-Gruppe verkaufte die Kette zum 1. Februar 1998 an die niederländische Pearle Europe B. V.. Im Jahr 2000 folgte die Übernahme des Optik-Geschäfts von Karstadt. Der dänische Optik-Anbieter Synoptik erwarb zum Jahresbeginn 2001 Ruhnke Optik. Ein Jahr später erwarb Apollo die deutschen Filialen von Synoptik und gliederte diese 2004 vollständig ein. 2006 kam Krane Optik, damals Deutschlands drittgrößter Optik-Filialist, dazu. Mit der Fusion von Pearle und GrandVision S.A. zur GrandVision B.V. wurde Apollo ab 2011 Teil des weltweit zweitgrößten Augenoptik-Konzerns.

Franchise-Fakten

Franchising seit 1989

Franchisepartner (D) 130

Standorte (D) 829

Investitionssumme: je nach Geschäftsgröße 180.000 – 230.000 €

Einstiegsgebühr: 8.000 €

Laufende Gebühr: umsatzabhängig 6,5 bis 10 Prozent

Werbegebühr: 6 Prozen

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