Quo vadis DFV? 1. Teil

Vorstandsriege des DFV

Die Performance seiner Präsidenten im Spannungsfeld der Verbandsentwicklung des DFV weg von den Familienunternehmen hin zu Private Equity-Objekten im internationalen Finanz-Monopoly?

Vorstandsriege des DFV:Kai Enders (Engel & Völkers): Präsident, Repräsentation und politisches Netzwerk
Anja Roske (Nordsee): Schatzmeisterin, Ausschuss Qualität & Ethik
Ute Petrenko (MBE Mailboxes Etc.): Rechtsausschuss
Nadine Brenner (Rainbow International, jetzt Neighborly): Internationales, Ausschuss Franchisenehmergewinnung
Matthias Lehner (Bodystreet): Internationales, „Franchise Future“
Benjamin Dawo (Town & Country Haus): „Franchise Future“

Für rund 400 Millionen Euro erwirbt im Herbst 2021 die britische Private-Equity-Gesellschaft Permira 60 Prozent der Geschäftsanteile an dem Hamburger Immobilienmakler Engel & Völkers. Die Eigentümerfamilie Völkers und ein Teil des exklusiven Kreises der Top-Manager – darunter DFV-Präsident Kai Enders – (be) halten die übrigen 40 Prozent. Auf den Ankauf folgt gemäß der ungeschriebenen Branchen-Regel binnen der kommenden drei Jahre der Verkauf. So will es das auf Profit getrimmte Geschäftsmodell der Private Equity-Zunft. Beim Einstieg von EQT bei BackWerk verstrich just diese Frist. Währenddessen sich der Preis von 100 auf 190 Millionen Euro nahezu verdoppelte.

Solche Deals haben aber auch eine verbandspolitische Kehrseite. Die derzeit noch von Familien gehaltenen und geführten Franchise-Systeme wie Town & Country, Futterhaus, Isotec oder VOM FASS dominieren vorerst noch im Kreis der Mitglieder im Deutschen Franchise Verband (DFV). Doch der einst mittelständisch geprägte DFV verändert sich in sich rasant in seiner Mitglieder-Struktur. Die von internationalen Investmentfirmen gelenkten Köpfe holen auf und bestimmen die Marschrichtung mit Kai Enders an der Spitze.

Der amtierende DFV-Präsident ist Vorstand bei Engel & Völkers und verantwortlich für die DACH-Region, also Deutschland, Österreich und Schweiz. Über die zunehmenden Fischzüge der Finanzhaie fällt er ein sybillinisches Urteil. Seiner Erfahrung nach sei „Private Equity weder per se gut oder schlecht“. Als der AF Eigenkapitalfonds 2018 mit einer Minderheitsbeteiligung bei Engel & Völkers einstieg, war der Ausstieg schon besiegelt. Die binnen drei Jahre erfolgreich umgesetzte globale Wachstumsstrategie spülte Engel & Völkers das für den Rückkauf der Geschäftsanteile nötige Kapital in die Kasse. Der sogenannte „Buyback“ war vorab fixiert – im aktuellen Fall ist davon keine Rede mehr.

Wo der Schuh drückt

Zu Beginn seiner Präsidentschaft sagt Kai Enders, wo der Schuh drückt: „Die Mitgliederzahl des DFV stagniert. Mit 280 Mitgliedern sind rund 20 Prozent der Franchise-Unternehmen in Deutschland aktuell im DFV organisiert. Das ist zu wenig für einen Verband, der die Franchise-Wirtschaft vertreten will. Mit den Weichenstellungen, die wir jetzt vornehmen, wollen wir die Mitgliedschaft attraktiver machen und damit die Mitgliederzahlen deutlich erhöhen. Dazu muss sich der DFV moderner präsentieren und sein Leistungsangebot stärker am Bedarf der Mitglieder orientieren. Und das zu einem niedrigeren Mitgliedsbeitrag als heute. Die Mitgliedschaft im DFV muss sich lohnen!“

Mit Blick auf die über 40 Jahre währende Geschichte des DFV fällt eines auf: Es kommt auf den Präsidenten an. So war es ein angestellter Topmanager von OBI, der den Verband finanziell an die Wand und konzeptionell in den Abgrund steuern wollte, bis der Retter nahte: Ein Selfmade-Mann und Familienunternehmer. Dr. h.c. Dieter Fröhlich glättete die verbandsinternen Wogen und brachte unter persönlichen Einsatz den vor seiner fristlosen Kündigung flüchtigen Geschäftsführer vor seinem Domizil am Sternberger See zur Strecke. Dies ist sicherlich eine der Schlüsselszenen in der jüngsten DFV-Historie. Es waren und sind womöglich nur wenige Momente, die bislang und wohl auch künftig den Kurs des DFV bestimmen und damit den seit Dekaden angekündigten und immer noch möglichen Franchise-Boom befördern oder bremsen – die Wahl 2022 wird so zur Richtungswahl.

Überfällige Debatte im DFV

Auf einem anderen Blatt steht, wer eigentlich beim Verkauf eines Franchise-Systems die Millionen einstreicht. Denn schließlich wäre ohne die Kapitalkraft und der Schweiß der Franchisenehmer das Werk nie gelungen. Tatsache aber ist, dass bislang durchweg die Gründer die Millionen ihren Konten gutschrieben. Die Beispiele sind jetzt schon Legion angeführt von Ex-DFV-Schatzmeister Carsten Gerlach, der mit dem Verkauf von Joe´s Pizza Dominos Kasse machte. Den Millionen-Gewinn aus dem geglückten Deal teilten sich Gerlach mit seinem Kompagnon Christian Niemax brüderlich: 34,5 Millionen Euro für jeden der zwei. Noch besser schnitten die BackWerk-Sanierer – das Duo Drs. Schneider / Limmer. Von den ehemaligen Roland-Berger-Consultants strich jeder rund 70 Millionen Euro ein. Bei all den Deals stehen die Franchisenehmer, die lokal mit eigenem Geld und auf eigenes Risiko die Franchise-Marke erst zum Strahlen gebracht haben, im Schatten. Achselzuckend vermerkt Wolf-Dieter Bathelt, Franchise-Partner von Joe`s Pizza und danach von BackWerk mit heute vier Shops in Nürnberg: „Werte schaffen immer nur die Franchisegeber.“ Eine Beteiligung der Franchisenehmer am Geldsegen im Franchise-Monopoly steht ebenso (noch) nicht zur Debatte wie ihre Repräsentanz im DFV. (Fortsetzung am 22.12.21)

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