Pleite mit Crowdfunding

COA Cuisine of Asia

Asia-Kette Coa: Hochmut kommt vor dem Fall

In der Corona-Krise zeigt sich welches Unternehmen gut und welche schlecht aufgestellt sind. Denn beim fehlenden Publikum beziehungsweisende zahlenden Gästen werden die Defizit des Geschäftsmodells und seiner Finanzierung gnadenlos entpuppt. Diese bittere Erfahrung machen derzeit zwei Frankfurter Jungunternehmer, deren Gastro-Franchise- Kette COA – Cuisine of Asia – sich zunächst im Insolvenzverfahren befand und nun pleite ist: Alexander und Constantin von Bienenstamm.

Dabei hatten die beiden in Hongkong mit der fernöstlichen Küche aufgewachsen Brüder mit viel Buhei ihr Konzept angepriesen und die bis dato höchste Crowdfunding-Summe dafür kassiert. Das erste COA-Restaurant eröffneten sie publikumswirksam auf der Schillerstraße in Frankfurt unweit der Börse – übrigens ein genialer Schachzug, den einst auch World Coffee-Gründer Roman Koidl mit seiner strategisch geplanten Standortwahl traf, um so durch Präsenz in der Finanz-Metropole das Interesse der Anleger und ihrer Berater zu wecken.

Das Lockmittel attraktive Verzinsung

Das Adel-Duo hatten jedoch nicht den Gang an die Börse auf dem Plan, sondern die hippe Finanzierung des Crowdfunding. Neben dem attraktiven Zins von 7,5 Prozent lockten die Geldsucher noch mit einem Bonus von 12 Prozent potenzielle Kapitalgeber. Die Rechnung ging auf: über 700 Kleinanleger und ein Großinvestor, der gleich zwei Drittel der der Crowd-Summe von 1,5 Millionen Euro stemmte, waren mit von der Partie. Mit der Aquise und Abwicklung des Crowdfundings war die darauf spezialisierte Agentur Kapilendo betraut

Doch statt der erhofften Erfolgsmeldungen neuer Filial-Eröffnungen häuften sich die Hiobsbotschaften. Das Konzept versagte seine problemlose Multiplikation und bis auf zwei Restaurants – Im Main-Taunus-Center und im „MyZeil“- mussten alle Lokale von COA schließen. Das sich nun rasch auftuende Loch in der Kasse der Franchise-Zentrale stoppte auch die Bedienung der Finanzspritze, ein so genanntes Nachrangdarlehn. Die COA Holding GmbH beantragte daher im Herbst 2019 ebenso wie der Warenhaus-Dino Galeria-Karstadt-Kaufhof ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nach dem Lockdown im März dieses Jahres folgte trotz aller Anstrengungen doch die echte Pleite.

Das Drehbuch bis zur Pleite

„Den Todesstoß“, verriet Coa-Geschäftsführer Olaf Seidel der Rhein-Main-Zeitung, „habe der Coronavirus dem Unternehmen versetzt. Seinetwegen sei ein zum Jahresanfang aufgetauchter Investor wieder abgesprungen, danach ging nichts mehr.“ Jetzt kommt laut dem zur FAZ zählenden Regionalblatt die gesamte Misere von COA ans Licht: „Als 2018 die Crowdfunding-Kampagne startete, war nur noch einer der Brüder im Unternehmen. Die Gründer hatten seit 2015 Anteile und Einfluss an den Kapitalgeber namens Co-Investor abgegeben, der als Mehrheitseigentümer das Wachstum in nun schnellerem Tempo vorantreiben wollte. Dabei, so muss nun der erst im Sommer 2019 berufene Geschäftsführer Seidel einräumen, hätten seine Vorgänger Fehler gemacht. Anders als in den Anfangsjahren wurden neue Lokale auch in B-Lagen angemietet, einige waren von der Fläche viel zu groß. Die Umsätze stiegen immerhin auf eine zweistellige Millionenhöhe, Gewinne hat Coa nie gemacht. Stattdessen Schulden.“

Der Neuanfang auf Sparflamme

Nach dem harten Kapitalschnitt folgt der Neuanfang auf Sparflamme. Das verbliebene Restaurant im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach gehört jetzt einer neu gegründeten GmbH, deren Geschäftsführer weiterhin Seidel ist. Die Niederlassung im MyZeil in der Frankfurter Innenstadt führt Coa-Mitgründer Constantin von Bienenstamm weiter, sein Traum von einer bundesweiten Franchise-Kette ist vorerst ausgeträumt.

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Und die Lehre daraus? Kapilendo-Geschäftsführer Christopher Grätz verspricht künftig bei Gastro-Projekten noch genauer hinzuschauen. Um das eigene Geschäft zu retten, tat sich Kapilendo mit einer Bank zusammen und vergibt nun KfW-Schnellkredite im Online-Verfahren.

P.S.: Das Finanzinstrument Crowd-Funding ist auch nach der COA-Pleite keineswegs obsolet. Erst im Januar dieses Jahres trieben so Kleinanleger der stramm expandierenden Italo-Kette L´Osteria 2,3 Millionen Euro auf, um das weitere Filial-Wachstum zu finanzieren und stellten damit den bisherigen Rekord der nun düpierten COA-Anleger ein.

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