Alexander Mehnert: Der Wandervogel

Alexander Mehnert

Kein zweiter Franchisemanager legt so ein Tempo in der Karriere hin wie Alexander Mehnert. Doch die Intervalle werden stetig kürzer. Das Intermezzo des Nominierten des Franchise Management Awards 2020 bei HOME INSTEAD gib Rätsel auf. Eine Bilanz der bisherigen Stationen des ehemaligen DFV-Schatzmeisters.

Der Absolvent der Helmut-Schmidt-Universität und Ex-Marineoffizier durchlief etliche Etappe bis er im letzten Jahr bei HOME INSTEAD anheuerte. Deutschlands größter Pflegedienst vergrößerte für diese Personalie extra die Geschäftsleitung um Jörg Veil, Masterfranchisenehmer des US-Konzerns und Inhaber der deutschen Dependancen, und schuf eine maßgeschneiderte Position: „Chief Officer Franchise“. Zum 1. Oktober 2020 übernahm Mehnert, der Mann mit dem Marschallstab im Tornister, „die Bereiche Partner-Gewinnung, Schulungsmanagement und den Support von Partnerbetrieben“.

Vom Neuzugang im Führungskreis erhoffte sich CEO Jörg Veil einen weiteren Pusch in der bislang schon respektablen Performance der Seniorenbetreuung made in USA. „Zwar wird es schwierig erneut um 50 Prozent zu wachsen, aber wir peilen ein Wachstumsziel von 30 Prozent an“, steckte Veil den Erwartungshorizont allerdings realistisch ab. Und beschwor das Betriebsklima: „Zudem ist es uns wichtig dabei, weiterhin unsere hohe Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit zu halten.“

Während die erste Erwartung im Rückblick voll in Erfüllung ging, haperte es offenbar auf der Mitarbeiterebene – zumindest an der Spitze. Zu aller Überraschung endete das Engagement des hochgelobten und in der Franchise-Szene bestens beleumundeten Managers bereits nach 40 Arbeitstagen. Ende November 2020 strich Mehnert die Segel. Mit seinem Profil, das „Ausdauer; solide Erfahrung in Strategie, Führung, Vertrieb und Franchising“, ausweist, konnte er auf seiner bislang letzten Manager-Etappe offenbar nicht reüssieren.

Zurück zur Basis

Nunmehr arbeitet Mehnert als „Berater, Coach und Interims-Manager“, ein vorsorglich schon im Juni 2018 implementiertes, zweites berufliches Standbein. Die bis heute unter der Decke gehaltenen Top-Personalie bei HOME INSTEAD gibt allerdings Anlass zur Räson. Ein Rückblick auf den beruflichen Werdegang wirkt erhellend.

Das Intermezzo bei Home Instead war für Mehnert zwar der erste Job im Pflegemarkt, er konnte jedoch als Geschäftsbereichsleiter Franchise für die ZGS Bildungs-GmbH (besser bekannt als Schülerhilfe) bereits Erfahrungen im Franchise-Bereich sammeln. Nicht nur da. Nach seinem Dienst beim Bund startete er 2007 bereits bei einem Franchise-System. Beim Lerninstitut „Wall Street Englisch“ fungierte er als regionaler Verkaufsleiter. Dann folgte der Sprung zur Schülerhilfe: Geschäftsbereichsleiter Franchise.

Vor seinem Eintritt in die Geschäftsleitung von Home Instead war Mehnert bereits zum Geschäftsführer avanciert. Dies gelang ihm bei einer Perle des Franchisings made in Germany: TeeGschwendner. Vom September 2014 bis Mai 2018 führte er die erfolgreiche Franchisekette. Doch genervt durch die Querelen unter den verschiedenen Familienstämmen, sann er bei einem seiner letzten Medienkontakte in der damaligen Position unverblümt über einen Wechsel nach.

Die Gelegenheit bot sich bald danach. Und Mehnert ergriff sie dankbar wie einen Strohhalm in Abwägung seiner nach oben beim Teeladen gedeckelten Karriere. Die Rettungsleine warf ihm die Confiserie Coppeneur et Compagnon GmbH mit Sitz in Bad Honnef zu. Auch hier wurde er mit Vorschusslorbeeren bedacht. „Nach 25 Jahren wird bei Coppeneur eine neue Struktur für weiteres Wachstum mit der zusätzlichen Position geschaffen. Gemeinsam mit Gründer und Chocolatier Oliver Coppeneur wird Alexander Mehnert den weiteren Erfolgsweg des einzigartigen Unternehmens beschreiten und mit langjähriger Expertise zukunftsgerichtet mitgestalten.“

Sensible Doppelkonstellation

Die Aufgabenstellung in der neu installierten „Doppelkonstellation“ in der Geschäftsleitung des Unternehmens war klar geregelt: „Als Gründer und begnadeter Chocolatier wird sich Oliver Coppeneur vor allem um Weiterentwicklung, Qualität und Innovation kümmern sowie die Marke nach außen repräsentieren. Alexander Mehnert wird die Organisation von der Produktion bis hin zum Vertrieb übernehmen und zukunftsgerichtet weiterentwickeln – natürlich steht hierbei auch im Fokus, gemeinsam mit bestehenden Kunden und Fachhändlern zu wachsen.“

Vor allem sollten Franchisenehmer für Pralinen-Shops gewonnen werden. Am 1. Juni 2018 begann die Zusammenarbeit, Ende Juni 2020 endete sie. Dann folgte die Kurz-Visite im Seniorenmarkt. Für Jörg Veil, der gemeinsam mit Andreas Müller heute das operative Geschäft lenkt, ist der personelle Aderlass zu verschmerzen. Denn 2020 war trotz Corona und interner Reorganisation ein Erfolgsjahr. Die mit der innovativen Betreuung daheim erschlossene Nische, erwies sich als Wachstumsmarkt in dem der Franchise-Pionier dominiert.

„Wenn ich ehrlich bin, wundere ich mich doch sehr, dass es nicht viel mehr Unternehmen gibt mit einem Geschäftsmodell, wie wir es haben“, vertraute Jörg Veil, der geschäftsführende Gesellschafter, der Gazette WELT an. „In Amerika gibt es bestimmt 15 bis 20 solcher Unternehmen“, schätzt Veil. Und auch in Großbritannien seien es locker zehn. „Beschweren möchte ich mich aber natürlich nicht, dass es hier so anders ist.“ Der First Mover im Markt wächst seit der Gründung vor zwölf Jahren sprunghaft, meist im mittleren zweistelligen Prozentbereich. „Wir sind längst der mit Abstand größte Anbieter abseits der Wohlfahrt-Organisationen“, versichert Veil.

Voll im Plan

Die Zahlen sprechen für Veil. Über 140 Niederlassungen mit zusammen 10.000 Mitarbeitern gibt es quer durch die Republik, betreut werden monatlich gut 40.000 Kunden. Das Wachstum verläuft ungebremst. 30 Prozent mehr Kunden und auch 30 Prozent mehr Umsatz erzielte Veil wie prognostiziert im „Krisen-Jahr“ 2020. Und im laufenden Jahr soll die Entwicklung ähnlich gut laufen. Auf einen Schlag sind 20 weitere Partnerbetriebe geplant – Mehnert´s Funktion des Chief- Franchise-Officers (CFO) übernahm derweil CEO Veil in Personalunion.

Nach dem abrupten Bruch binnen zweier Monaten treffen sich die Blicke von Veil und Mehnert nur noch gelegentlich – etwa im Berliner Kreis des Deutschen Franchiseverbandes (DFV). Seine Position als Schatzmeister gab Alexander Mehnert zwar mit seinem Abschied von TeeGschwender auf, um sich voll und ganz auf die süße Pralinen-Franchise von Coppeneur zu konzentrieren, bis es Saures wie vermutlich auch bei HOME INSTEAD vom Inhaber gab. Doch den DFV-Ausschusses “Qualität & Ethik” im Franchising pilotiert Alexander Mehnert weiterhin.

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