AmRest-Gründer auf Einkaufstour mit McWin

Henry McGovern

Der Amerikaner, der mit AmRest in Breslau den Grundstein für ein Fastfood-Imperium legte, kehrt er als Master-Franchisenehmer von Burger King nach Polen zurück. Mit dem frischen Geld aus Arabien stemmte seine neue Beteiligungsfirma McWin den Deal. Die Zeiten für weitere Zukäufen von Franchise-Marken sind günstig. In Folge der Corona-Krise sanken die Einkaufspreise. Statt dem 15-fachen des operativen Gewinns (Ebitad) müssen Investoren derzeit nur das 10-fache berappen, raunt die Private-Equity-Branche. Die nächste Runde im Franchise-Monopoly in der Gastronomie dürfte damit eingeläutet sein.

„Dies ist die erste Investition des McWin Restaurant Fund im Wert von 525 Mio. Euro, den wir vor wenigen Wochen abgeschlossen haben. Wir sind unglaublich stolz darauf, die Marke Burger King in ganz Polen auszuweiten, wobei die Synergien der gesamten McWin-Plattform genutzt werden“ sagt Henry McGovern, Gründungspartner bei McWin. Der neue Master-Franchisenehmer in Polen wird die Marke einschließlich der Bestands-Franchisenehmer verwalten. Mit einem Paukenschlag meldet sich der Amerikaner nach seinem Ausstieg vor knapp drei Jahren als Mitgründer und CEO von AmRest zurück.

Seine private Anlagegesellschaft McWin hat über einen neuen Fonds insgesamt 500 Millionen Euro für Investments in europäische Restaurantketten eingesammelt. Wichtigster Geldgeber für den McWin Restaurant Fund (MRF) ist eine Tochter der Abu Dhabi Investment Authority (Adia), dahinter verbirgt sich der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi. Mit dem frischen Geld aus dem Staatssäckel ging Mc Govern bereits im vergangen Jahr auf Einkaufstour und stieg im Mai 2021 über seine Holdinggesellschaft McWin mit 49 Prozent bei „dean&david“ ein.Die Fresh-Casual-Restaurantmarke wurde von David Baumgartner 2007 gegründet und hat rund 150 Standorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Katar.

Fokus auf Brands made in Germany

Deutschland bleibt ein spannender Markt – „Wir ziehen durchaus in Betracht, ein Investment im deutschen Markt zu tätigen“, verriet er kürzlich dem Handelsblatt. Das notwendige Kapital ist jedenfalls vorhanden. Neben dem neuen Fonds ist McGovern bereits mit dem McWin Food Ecosystem Fund (300 Millionen Euro) und dem McWin Food Tech Fund (250 Millionen Euro) im Markt unterwegs, sodass insgesamt gut eine Milliarde Euro für Investments zur Verfügung stehen. Weitere Übernahmen und / oder Beteiligungen sind geplant. Das Anforderungsprofil des Franchise-Tycoons ist eindeutig: „Wir suchen Unternehmer mit Marken, die weiter expandieren wollen und die mit uns auf einer Wellenlänge liegen. Schließlich kennen wir etwa über unser Engagement bei Burger King Germany oder auch Dean & David das Franchise-Geschäft der Restaurantketten, auch in Deutschland.“

Zum wachsenden Portfolio von McWin zählen bereits die Bäckereikette Gail’s in Großbritannien und die Restaurantkette Vapiano. Hinzu kommen einige Technologiefirmen wie Footprint. Denn in der Digitalisierung der Gastronomie stecken nach Einschätzung von McGovern und seinem Geschäftspartner Steven K. Winegar, der von Arthur Andersen kam, eine der Big-Five-Wirtschaftprüfungsgesellschaften, noch, viel Potenzial für Optimierungen. Sein Ziel hat McGovern bereits erreicht. Mit der Abu Dhabi Investment Authority (Adia), dem wichtigsten Geldgeber für den McWin Restaurant Fund (MRF) besteht jetzt der größte Fonds mit der Ausrichtung auf Fast-Food-Ketten in Europa. Nach dem Motto: Gegessen wird immer. Frage nur bei wem?

Vom Studienabbrecher zum Gastronomiestar

Die Erfolgsstory von Henry McGovern startete 1993 nach einem vermasselten Studium mit dem Fall der Berliner Mauer. Die von ihm und drei Partnern in Breslau gegründete AmRest Holdings SE gilt inzwischen als größter Restaurantbetreiber in Mittel- und Osteuropa: 2.500 Outlets und 40.000 Mitarbeiter. Das zunächst in Breslau und später auch in Berlin sitzende und seit 2017 von Madrid aus gesteuerte Unternehmen vereint ein Portfolio von bekannten Brands im weltweit boomenden Fastfood-Business. Dazu zählen durchweg Top-Franchisemarken wie KFC, Pizza Hut, Burger King oder Filialisten wie Starbucks.

McGovern´s mit über 300 Millionen versilberte Abschied von AmRest im März 2019 war der Schlusspunkt einer außerordentlichen Performance zunächst mit Kredit und später mit Aktien. Am 27. April 2005 fand der Börsengang (IPO) von AmRest an der Warschauer Wertpapierbörse statt. Zu den Aktionären der ersten Stunde zählte die bis dahin unbekannte Investmentfirma Finaccess Grupo aus Mexiko, die in Europa mit der Schweizer Großbank Credit Swiss kooperiert. 2016 erhöhte Finaccess seine Beteiligung an der AmRest Holdings auf über 31,7 Prozent. Im März 2019 machte McGovern schließlich Kasse. Für 309,7 Millionen Euro wechselte sein Aktienpaket den Eigentümer. Im AmRest-Imperium haben nun die Mexikaner das Sagen. Seit seinem Abschied verfolgt der Selfmade-Milliardär als Investor unterschiedliche Projekte in der internationalen Gastronomie und im Food-Bereich. Mit den Millionen aus dem Morgenland legt McGovern wohl jetzt erst richtig los – so viel scheint sicher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.